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PFOF-Verbot 2026: Was das Aus für Payment for Order Flow für Neobroker-Kunden bedeutet

Paul WeberPaul WeberGeldanlage & Kapitalmarkt 30. Juli 2026 ca. 3 Min.
Das Wichtigste in Kürze

Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Wertpapierinstitute in Deutschland keine Zahlungen Dritter mehr für die Weiterleitung von Kundenaufträgen annehmen — Payment for Order Flow (PFOF) ist verboten. Bis dahin galt eine nationale Übergangsausnahme, die zum 30. Juni 2026 ausgelaufen ist; die BaFin hat die Regeln in einer Aufsichtsmitteilung präzisiert. PFOF war eine wichtige Einnahmequelle vieler Neobroker: Ein Handelsplatz oder Market Maker zahlte dem Broker dafür, dass Kundenorders dorthin geleitet wurden. Damit ließen sich sehr günstige oder scheinbar kostenlose Orders finanzieren. Fällt diese Quelle weg, müssen Broker anders Geld verdienen — etwa über Ordergebühren, Zinserträge auf Guthaben, Abo-Modelle oder Wertpapierleihe. Für Anleger heißt das: Die reine „0-Euro-Order“ wird seltener oder an Bedingungen geknüpft. Entscheidend ist künftig noch stärker die Betrachtung der Gesamtkosten statt einzelner Werbepreise.

Jahrelang warben Neobroker mit dem gleichen Versprechen: Wertpapiere kaufen für null Euro oder wenige Cent pro Order. Möglich war das auch dank einer Erlösquelle, die die meisten Kunden nie zu Gesicht bekamen — Payment for Order Flow. Seit dem 1. Juli 2026 ist damit Schluss. Was sich dadurch ändert und worauf du achten solltest.

Was Payment for Order Flow war

Hinter dem sperrigen Begriff steckt ein einfaches Geschäft. Wenn du bei einem Broker eine Aktie oder einen ETF kaufst, muss diese Order an einen Handelsplatz weitergeleitet werden. Beim Payment for Order Flow (PFOF) leitete der Broker die Order gezielt an einen bestimmten Handelsplatz oder Market Maker — und bekam dafür eine Rückvergütung. Du handeltest dann in vielen Fällen gegen genau diesen Market Maker.

Für den Broker war das lukrativ: Die Rückvergütungen halfen, die niedrigen oder gänzlich fehlenden Ordergebühren zu finanzieren. Für dich als Kunde entstand daraus ein Interessenkonflikt, den du kaum bemerken konntest: Der Broker hatte einen Anreiz, dorthin zu leiten, wo er am meisten verdient — nicht unbedingt dorthin, wo du den besten Kurs bekommst.

Warum das Verbot kam — und seit wann es gilt

Genau dieser Interessenkonflikt war der Grund, PFOF EU-weit zu untersagen. Im Zuge der Überarbeitung der europäischen Finanzmarktregeln wurde die Praxis verboten. Länder, in denen sie schon etabliert war — darunter Deutschland —, durften sie über eine Übergangsregelung noch bis zum 30. Juni 2026 für ihre eigenen Kunden zulassen.

Diese Ausnahme ist nun ausgelaufen: Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Institute in Deutschland keine Zahlungen Dritter mehr für die Weiterleitung von Kundenaufträgen annehmen. Die BaFin hat die Vorgaben am 22. Juli 2026 in einer Aufsichtsmitteilung konkretisiert und den Instituten klare Leitplanken gesetzt.

Was das für Trade Republic, Scalable & Co. bedeutet

PFOF war für viele Neobroker eine relevante Einnahmequelle. Anbieter wie Trade Republic oder Scalable Capital konnten damit einen Teil ihrer günstigen Konditionen quersubventionieren. Fällt diese Quelle weg, entsteht eine Lücke — und die müssen die Anbieter anders schließen. Typische Wege sind:

  • Ordergebühren einführen oder erhöhen, oft als kleine Pauschale pro Trade.
  • Zinsmargen auf nicht investiertes Cash-Guthaben — die Differenz zwischen dem, was die Bank am Markt erzielt, und dem, was sie dir gutschreibt.
  • Abo-Modelle mit monatlicher Gebühr für vergünstigte oder kostenlose Trades.
  • Wertpapierleihe und andere Zusatzerträge im Hintergrund.

Für dich heißt das: Die reine „0-Euro-Order“ wird seltener oder an Bedingungen geknüpft. Manche Broker halten Sparpläne weiter kostenlos, weil sie das Neugeschäft treiben; bei Einzelorders ist eher mit Gebühren zu rechnen.

Gut oder schlecht für Anleger? Beides

Das Verbot hat zwei Seiten, und es lohnt sich, beide zu sehen.

Der Vorteil: Der Interessenkonflikt bei der Weiterleitung entfällt. Die Ausführung deiner Orders soll sich stärker am besten Ergebnis für dich orientieren statt an der Rückvergütung für den Broker. Der Preis wandert von einer versteckten auf eine offene Ebene — das macht Angebote vergleichbarer.

Der Haken: Ein Teil der günstigen Konditionen war eben über PFOF finanziert. Wo diese Quelle wegfällt, können sichtbare Kosten steigen. Das Verbot macht das Trading also nicht automatisch billiger — es macht die Kosten nur ehrlicher sichtbar.

Worauf du beim Depot jetzt achtest

Die wichtigste Konsequenz ist eine Denkweise: Bewerte dein Depot an den Gesamtkosten, nicht am Werbepreis. Ein nominal kostenloser Broker mit schlechtem Spread kann teurer sein als einer mit kleiner Ordergebühr und guter Ausführung.

Achte konkret auf das Zusammenspiel aus Ordergebühr, Spread am gewählten Handelsplatz, Sparplankosten und Depotführung. Prüfe, ob das Preismodell zu deinem Verhalten passt: Wer einmal im Monat einen ETF-Sparplan bespart, hat andere Prioritäten als jemand, der häufig Einzelaktien handelt. Wie stark verschiedene Modelle über die Jahre wirken, rechnet dir unser Depot-Kosten-Vergleich vor; welcher Broker-Typ zu dir passt, zeigt der Broker-Finder. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du im Ratgeber Depot-Vergleich 2026.

Wechseln musst du deshalb nicht überstürzt. Für die meisten langfristigen Sparplan-Anleger ändert sich wenig, solange die Sparpläne günstig bleiben. Schau dir in Ruhe an, wie dein Anbieter reagiert — und vergleiche erst, wenn er spürbar teurer wird oder nicht mehr zu dir passt.

Dieser Beitrag ordnet eine regulatorische Änderung ein und ersetzt keine individuelle Anlageberatung. Konkrete Konditionen einzelner Broker ändern sich laufend; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Preisverzeichnisse der Anbieter.

Unsere Einschätzung

Das PFOF-Verbot beendet eine versteckte Erlösquelle vieler Neobroker: Sie bekamen bislang Geld dafür, deine Orders an bestimmte Handelsplätze zu leiten. Für dich hat das zwei Seiten. Positiv: Der Interessenkonflikt bei der Weiterleitung fällt weg. Weniger positiv: Die Nullgebühr war teils damit quersubventioniert, deshalb können Orderkosten steigen oder neue Preismodelle kommen. Bewerte dein Depot künftig an den Gesamtkosten — Ordergebühr, Spread und Depotführung zusammen —, nicht am Werbeversprechen „0 Euro“.

Häufige Fragen

Was ist Payment for Order Flow überhaupt?+

Payment for Order Flow (PFOF) bedeutet: Ein Broker leitet die Wertpapierorders seiner Kunden an einen bestimmten Handelsplatz oder Market Maker weiter und erhält dafür eine Rückvergütung. Der Kunde handelt dann oft gegen genau diesen Market Maker. Das Modell ermöglichte sehr niedrige oder kostenlose Orders, barg aber einen Interessenkonflikt: Der Broker hatte einen Anreiz, dorthin zu leiten, wo er am meisten verdient — nicht zwingend dorthin, wo der Kunde die beste Ausführung bekommt.

Seit wann gilt das Verbot in Deutschland?+

Seit dem 1. Juli 2026. Auf EU-Ebene wurde PFOF im Zuge der Überarbeitung der Finanzmarktregeln (MiFIR-Review) verboten. Mitgliedstaaten, in denen die Praxis bereits etabliert war — darunter Deutschland —, durften sie im Rahmen einer Übergangsregelung noch bis zum 30. Juni 2026 für ihre eigenen Kunden zulassen. Diese Ausnahme ist nun ausgelaufen. Die BaFin hat am 22. Juli 2026 eine Aufsichtsmitteilung mit konkreten Vorgaben („Dos and Don'ts“) veröffentlicht.

Werden Neobroker jetzt teurer?+

Nicht zwangsläufig — aber die kostenlose Order verliert einen Teil ihrer Grundlage. PFOF war für Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital eine relevante Einnahmequelle, mit der sich günstige Konditionen quersubventionieren ließen. Fällt sie weg, müssen die Anbieter die Lücke anders schließen: über Ordergebühren, Zinsmargen auf Cash-Guthaben, Abo-Modelle oder Zusatzdienste. Manche Broker halten Aktionen oder Sparpläne weiter kostenlos, andere führen oder erhöhen Ordergebühren. Es lohnt sich, das aktuelle Preismodell deines Brokers zu prüfen.

Ist das Verbot gut oder schlecht für mich als Anleger?+

Beides hat seine Seite. Positiv: Der Interessenkonflikt bei der Order-Weiterleitung entfällt, die Ausführung soll transparenter und stärker am besten Ergebnis für den Kunden ausgerichtet sein. Weniger positiv: Ein Teil der günstigen Konditionen war über PFOF finanziert, sodass sichtbare Kosten steigen können. Unterm Strich verschiebt sich der Preis von einer versteckten auf eine offene Ebene — was die Vergleichbarkeit verbessert.

Worauf sollte ich beim Depot jetzt achten?+

Auf die Gesamtkosten statt auf das Werbeversprechen. Vergleiche Ordergebühren, den Spread beim gewählten Handelsplatz, die Kosten für Sparpläne und die Depotführung zusammen. Prüfe außerdem die Ausführungsplätze deines Brokers und ob dein Anlageverhalten — Einmalkäufe, Sparpläne oder aktives Handeln — zum Preismodell passt. Ein Broker mit kleiner Ordergebühr, aber gutem Spread kann günstiger sein als ein nominal kostenloser mit schlechterer Ausführung.

Muss ich meinen Broker jetzt wechseln?+

Nein, kein Automatismus. Schau dir zunächst an, ob und wie dein Anbieter sein Preismodell anpasst. Für die meisten langfristigen Sparplan-Anleger ändert sich wenig, solange Sparpläne günstig bleiben. Erst wenn dein Broker deutlich teurer wird oder nicht mehr zu deinem Handelsverhalten passt, lohnt der Vergleich mit Alternativen — dann anhand der Gesamtkosten, nicht der Schlagzeile.

Paul Weber
Über den Autor
Paul Weber
Geldanlage & Kapitalmarkt · umsgeld

Aktien, ETFs, Börse und Portfolio-Strategien — Paul mit dem Blick auf Kosten, Streuung und langfristige Rendite.

Profil & Redaktion ›

Unabhängig recherchiert. Verantwortlicher Herausgeber: Dr. Gamal Moukabary. Manche Empfehlungen sind Partnerangebote (auch aus der MyWage-Gruppe) und werden gekennzeichnet. Inhalte dienen der Information und sind keine Anlage- oder Steuerberatung. Stand 30. Juli 2026.