Ein Depot mit vielen Einzelaktien ist nur dann diversifiziert, wenn die Titel unterschiedlich auf dieselben Ereignisse reagieren. Stammen sie aus derselben Branche — etwa 15 Technologiewerte —, ist das Depot in Wahrheit eine einzige große Sektorwette: Bricht die Branche ein, fallen fast alle Positionen gleichzeitig. Der häufige Denkfehler ist, Anzahl mit Streuung zu verwechseln. Hinzu kommt die Bessembinder-Erkenntnis, dass fast der gesamte Netto-Gewinn des Marktes von sehr wenigen Titeln stammt — eine konzentrierte Auswahl verpasst diese leicht. Die bessere Lösung ist ein breit gestreuter Welt-ETF als Kern, der tausende Unternehmen über alle Branchen und Länder abbildet. Einzelne Lieblingsaktien können als kleine, bewusst gedeckelte Beimischung daneben stehen, dürfen aber nicht den Kern ersetzen.
Aus unserer Serie „Teure Geldfehler”: echte Muster, anonymisiert, mit klarer Lehre. Heute: Streuung, die keine ist.
Die Ausgangslage
Ein Anleger Anfang 40, technikaffin, beruflich in der IT erfolgreich. Über die Jahre hat er ein Depot von rund 300.000 € aufgebaut — aus 15 Einzelaktien, die er alle selbst ausgewählt hat. Große Namen, Unternehmen, die er versteht und deren Produkte er nutzt. „Ich bin breit aufgestellt — 15 verschiedene Firmen.”
Die Entscheidung
Weil er die Branche kennt und ihr vertraut, sind fast alle Titel Technologiewerte. Neue Sparraten fließen in dieselbe Richtung: Was zuletzt am besten lief, wird nachgekauft. Das Depot fühlt sich sicher an, weil es viele Positionen enthält — und weil es jahrelang stark gestiegen ist.
Der Fehler
Anzahl ist nicht Streuung. 15 Aktien aus einer Branche reagieren auf dieselben Ereignisse — Zinswende, Regulierung, ein Stimmungsumschwung gegenüber dem Sektor. In Wahrheit ist das Depot keine breite Aufstellung, sondern eine einzige große Wette auf eine Branche.
Der Schaden
Dann dreht der Sektor. Kein einzelnes Unternehmen scheitert dramatisch — aber die ganze Branche verliert über Monate an Wert, und weil das Depot fast ausschließlich daraus besteht, fällt es fast im Gleichschritt. Ein breit gestreuter Weltmarkt hätte im selben Zeitraum kaum nachgegeben, weil andere Branchen und Regionen gegengehalten hätten. Der Unterschied im Depotwert ist erheblich — und rein hausgemacht.
Die bessere Lösung
Der Kern gehört in einen breit gestreuten Welt-ETF: tausende Unternehmen, alle Branchen, alle Regionen. Die Bessembinder-Studie erklärt, warum das statistisch überlegen ist — die wenigen extremen Gewinner sind darin automatisch enthalten, während eine konzentrierte Auswahl sie leicht verpasst. Einzelne Lieblingsaktien dürfen als kleine, gedeckelte Beimischung bleiben, aber nicht den Kern ersetzen. Wo dein Depot versteckte Klumpen und Überschneidungen hat, zeigt das ETF-Portfolio-Röntgen.
Die Lehre der Serie bleibt dieselbe: Nicht die einzelne Anlage, sondern die Struktur entscheidet über das Risiko.
Fallbeispiel, anonymisiert und vereinfacht. Keine Anlageberatung.
Ein Depot aus vielen Einzelaktien fühlt sich diversifiziert an — doch wenn die Titel aus derselben Branche stammen, ist es in Wahrheit eine konzentrierte Wette. Im Fallbeispiel hält ein erfolgreicher Anleger 15 Technologiewerte und hält sich für breit aufgestellt; als der Sektor einbricht, fallen fast alle Positionen gleichzeitig. Der Denkfehler: Anzahl mit Streuung zu verwechseln. Echte Diversifikation bemisst sich nicht an der Zahl der Positionen, sondern daran, wie unterschiedlich sie auf dieselben Ereignisse reagieren. Die bessere Lösung ist ein breit gestreuter Welt-ETF als Kern, der tausende Unternehmen über alle Branchen und Regionen hält — und in dem einzelne Lieblingsaktien höchstens eine kleine, gedeckelte Beimischung sind.
Häufige Fragen
Wie viele Aktien braucht man für Streuung?+
Es kommt weniger auf die Zahl an als auf die Unterschiedlichkeit. 15 Aktien aus derselben Branche sind schlechter gestreut als ein einziger breiter Welt-ETF, der tausende Unternehmen über alle Sektoren und Regionen hält. Für echte Diversifikation zählt, dass die Positionen nicht alle gleichzeitig auf dasselbe Ereignis reagieren — das erreicht ein breiter Index viel zuverlässiger als eine Handvoll selbst gewählter Titel.
Sind Einzelaktien grundsätzlich schlecht?+
Nein, aber sie gehören nicht in den Kern. Als kleine, gedeckelte Beimischung — bewusst als Wette, deren Ausfall du verkraften kannst — sind einzelne Aktien vertretbar. Das Fundament sollte ein breit gestreutes Weltportfolio bilden. Wer sein ganzes Depot aus Einzelwetten baut, trägt ein Risiko, für das er langfristig statistisch nicht angemessen entlohnt wird.
Woran erkenne ich versteckte Konzentration?+
Indem du dein Depot nach Branchen, Regionen und einzelnen Unternehmen aufschlüsselst. Oft zeigt sich, dass mehrere Positionen — inklusive der Anteile in ETFs — auf dieselben wenigen Konzerne oder einen Sektor entfallen. Das ETF-Portfolio-Röntgen macht solche Überschneidungen und Klumpen sichtbar, die man bei der reinen Zahl der Positionen leicht übersieht.
Aktien, ETFs, Börse und Portfolio-Strategien — Paul mit dem Blick auf Kosten, Streuung und langfristige Rendite.
Profil & Redaktion ›Unabhängig recherchiert. Verantwortlicher Herausgeber: Dr. Gamal Moukabary. Manche Empfehlungen sind Partnerangebote (auch aus der MyWage-Gruppe) und werden gekennzeichnet. Inhalte dienen der Information und sind keine Anlage- oder Steuerberatung. Stand 31. Juli 2026.