Das 4-Prozent-Experiment
Fast der gesamte Börsengewinn eines Jahrhunderts stammt von einer winzigen Minderheit der Aktien. Zieh unten ein Zufalls-Depot und erlebe selbst, warum wenige Einzelaktien den breiten Markt fast immer verfehlen — und was daraus für dein Geld folgt.
100 Jahre, 29.754 US-Aktien: Nur 1.082 Titel (3,72 %) erzeugten den gesamten Netto-Vermögenszuwachs. Rund 60 % kosteten Anleger Geld.
Der Modell-Markt, aus dem du ziehst
Jeder Balken ist eine Gruppe von Aktien, sortiert nach ihrer Lebensdauer-Rendite. Die Masse liegt links im Minus oder knapp darüber — die wenigen extremen Gewinner rechts tragen den ganzen Markt.
Modell-Markt: 2.000 synthetische Aktien mit rechtsschiefer Renditeverteilung, kalibriert auf die empirischen Kernbefunde. Illustrativ — keine echte Kurshistorie.
Warum das passiert
Aktienrenditen sind rechtsschief. Eine Aktie kann höchstens 100 % verlieren, aber theoretisch das Hundert- oder Tausendfache gewinnen. Ein paar extreme Gewinner heben den Marktdurchschnitt weit nach oben — während die typische Aktie darunter liegt. Genau deshalb ist der Median negativ, obwohl der Mittelwert hoch ist.
Wenige Aktien halten heißt: die Gewinner wahrscheinlich verpassen. Wer nur eine Handvoll Titel besitzt, muss zufällig die richtigen erwischen — und die lassen sich im Voraus kaum vorhersagen. Vor 30 Jahren hätte kaum jemand Nvidia oder Apple auf ihrem heutigen Niveau erwartet. Statistisch fehlen dir die Vervielfacher, und dein Depot bleibt hinter dem Markt zurück.
Breite Streuung dreht den Spieß um. Wer über einen breiten Index praktisch den ganzen Markt hält, besitzt die künftigen Gewinner automatisch — ohne sie erraten zu müssen. Die wenigen Vervielfacher ziehen das Ergebnis nach oben, einzelne Nieten fallen kaum ins Gewicht. Diversifikation ist keine Ängstlichkeit, sondern die mathematisch saubere Art, die Gewinner zu besitzen, die niemand zuverlässig vorhersagt.
Der Strategie-Simulator zeigt, wie die großen Investoren streuen. Der ETF-Kosten-Rechner macht den zweiten stillen Renditehebel sichtbar. Und die ausführliche Analyse der Studie ordnet Zahlen, Grenzen und Gegenstimmen ein.
Häufige Fragen
Was besagt die Bessembinder-Studie?+
Der Finanzprofessor Hendrik Bessembinder wertete in seiner 100-Jahres-Auswertung 29.754 US-Aktien von 1926 bis 2025 aus. Ergebnis: Der gesamte Netto-Vermögenszuwachs des Marktes (rund 91 Billionen US-Dollar) stammt von nur 1.082 Aktien — 3,72 % aller Titel. Bei rund 60 % der Aktien verloren Langfrist-Anleger Geld; die Median-Aktie brachte etwa −6,9 %. Sein früheres Papier „Do Stocks Outperform Treasury Bills?" zeigte, dass rund 4 % der Aktien den gesamten Netto-Gewinn über US-Staatsanleihen erklären.
Warum verliert ein kleines Aktien-Depot so oft gegen den Index?+
Weil Aktienrenditen stark rechtsschief sind: Ein Titel kann höchstens 100 % verlieren, aber theoretisch das Tausendfache gewinnen. Der Marktgewinn hängt an einer Handvoll extremer Vervielfacher. Wer nur wenige Aktien hält, hat statistisch die überwältigende Wahrscheinlichkeit, genau diese seltenen Gewinner nicht dabei zu haben — und liegt dann trotz positivem Gesamtmarkt im Minus. Das Experiment auf dieser Seite macht diesen Effekt sichtbar.
Ist der Simulator echte Aktien-Historie?+
Nein. Der Modell-Markt ist eine bewusste Vereinfachung, die die empirisch belegte Schiefe der Renditen nachbildet — viele Verlierer, wenige extreme Gewinner. Die Kernbotschaft (kleine Depots verfehlen den Index meist) ist robust und unabhängig von der exakten Kalibrierung. Die genannten Studienzahlen stammen dagegen direkt aus Bessembinders Auswertungen und sind real.
Heißt das, Einzelaktien sind grundsätzlich schlecht?+
Nein. Der Aktienmarkt als Ganzes hat enormen Wohlstand geschaffen — der Gewinn ist nur extrem ungleich verteilt. Die Studie ist ein Argument gegen konzentrierte Einzelwetten, nicht gegen die Anlageklasse Aktien. Wer die wenigen Gewinner nicht zuverlässig vorhersagen kann, besitzt sie am sichersten, indem er über einen breiten Index praktisch den ganzen Markt hält.
Gilt das nur für die USA?+
Nein. In einer Untersuchung von rund 64.000 Aktien aus 42 Ländern fanden Bessembinder und Kollegen dasselbe Muster: Auch weltweit erzeugte nur ein kleiner Anteil der Firmen den gesamten Netto-Vermögenszuwachs. Die Konzentration ist kein US-Sonderfall.
Quellen: Hendrik Bessembinder, „Do Stocks Outperform Treasury Bills?" (Journal of Financial Economics, 2018) sowie „One Hundred Years in the U.S. Stock Markets" (100-Jahres-Auswertung, Stand 2025), Arizona State University. Dieser Beitrag erklärt eine wissenschaftliche Studie und ist keine Anlageberatung.