Bei der Kapital-Lebensversicherung muss man zwei Fälle unterscheiden. Als Neuabschluss lohnt sie sich für die meisten nicht mehr: Sie koppelt einen Sparanteil an einen Todesfallschutz, ist teuer, unflexibel und garantiert nur noch einen niedrigen Zins. Sinnvoller ist es, beides zu trennen — den Hinterbliebenenschutz über eine günstige Risikolebensversicherung und den Vermögensaufbau über einen breit gestreuten ETF-Sparplan. Bestehende Altverträge sind dagegen oft wertvoll: Policen, die um das Jahr 2000 abgeschlossen wurden, garantieren teils bis zu 4 Prozent pro Jahr auf den Sparanteil — ein Zins, den es heute nirgends risikofrei gibt. Solche Verträge sollte man in der Regel behalten. Ob Kündigen, Beitragsfreistellen oder Verkaufen sinnvoll ist, hängt vom Garantiezins, der Restlaufzeit und den steuerlichen Rahmenbedingungen ab. Wichtig: Gewinne aus vor 2005 abgeschlossenen Verträgen sind bei ausreichender Laufzeit steuerfrei; bei späteren Verträgen greift die 12/62-Regel.
Die Kapital-Lebensversicherung war jahrzehntelang der Deutschen liebste Altersvorsorge. Heute ist sie als Neuprodukt kaum noch zu empfehlen — und trotzdem kann genau deine alte Police ein kleiner Schatz sein. Es kommt darauf an.
Warum Neuabschlüsse selten lohnen
Die klassische Kapital-Lebensversicherung verbindet zwei Dinge, die man besser trennt: einen Sparanteil und einen Todesfallschutz. Das macht sie teuer (Abschluss- und Verwaltungskosten), unflexibel (das Geld ist lange gebunden) und, seit die Zinsen jahrelang niedrig waren, im garantierten Teil renditeschwach.
Warum Altverträge Gold wert sein können
Ganz anders bei alten Verträgen: Policen aus den Jahren um 2000 schreiben einen Garantiezins von bis zu 4 % auf den Sparanteil fest — lebenslang, unabhängig vom Marktzins. Einen solchen sicheren Zins bietet heute kein Tages- oder Festgeld. Solche Verträge sind deshalb oft wertvoller, als der Rückkaufswert vermuten lässt.
Kündigen ist meist die schlechteste Option
Wer kündigt, bekommt nur den Rückkaufswert — der in den ersten Jahren wegen der Kosten oft unter den eingezahlten Beiträgen liegt. Bessere Wege:
- Behalten, wenn der Garantiezins hoch ist.
- Beitragsfrei stellen, wenn du nicht mehr einzahlen willst, den Vertrag aber laufen lässt.
- Auf dem Zweitmarkt verkaufen — spezialisierte Aufkäufer zahlen häufig etwas mehr als den Rückkaufswert.
Die Steuer nicht vergessen
Bei Abschluss vor 2005 sind die Erträge nach zwölf Jahren Laufzeit in der Regel steuerfrei — ein starkes Argument fürs Behalten. Bei jüngeren Verträgen gilt die 12/62-Regel (halber Steuersatz bei Auszahlung ab 62 nach zwölf Jahren). Wie sich der Versicherungsmantel gegen einen ETF-Sparplan schlägt, rechnet der ETF-vs-Nettopolice-Rechner durch.
Unser Urteil
Neu abschließen: in aller Regel nein — trennen und getrennt lösen ist besser. Alten Vertrag mit hohem Garantiezins: meist behalten — er ist ein sicherer Zinsanker, den es so nicht mehr gibt. Und niemals vorschnell kündigen, ohne Garantiezins, Restlaufzeit und Steuer geprüft zu haben.
In Kürze
- Neuabschluss lohnt selten — Risikoschutz und Sparen besser trennen.
- Altverträge mit bis zu 4 % Garantiezins sind wertvoll, meist behalten.
- Kündigen bringt nur den niedrigen Rückkaufswert — Alternativen prüfen.
- Steuer: vor 2005 oft steuerfrei, ab 2005 die 12/62-Regel.
Die klassische Kapital-Lebensversicherung ist als Neuabschluss weitgehend aus der Zeit gefallen: Sie verbindet Sparen und Todesfallschutz in einem teuren, unflexiblen Produkt mit niedrigem Garantiezins. Wer heute Vermögen aufbauen will, ist mit einem getrennten Ansatz besser beraten — Risiko über eine günstige Risikolebensversicherung absichern und separat in einen breit gestreuten ETF-Sparplan investieren. Ganz anders sieht es bei alten Verträgen aus: Policen aus den Jahren um 2000 mit einem Garantiezins von bis zu 4 Prozent sind heute bares Geld wert und sollten meist behalten werden. Vor jeder Kündigung lohnt daher der genaue Blick auf den Garantiezins und die Steuerregeln.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Kapital-Lebensversicherung als Neuabschluss?+
Für die meisten nicht. Das Produkt verbindet Sparen und Todesfallschutz teuer und unflexibel, der garantierte Zins ist niedrig. Wer Vermögen aufbauen und Angehörige absichern will, fährt mit der Trennung besser: eine günstige Risikolebensversicherung für den Schutz plus ein breit gestreuter ETF-Sparplan für den Vermögensaufbau.
Warum sind alte Verträge so wertvoll?+
Weil sie einen hohen Garantiezins festschreiben. Verträge aus den Jahren um 2000 garantieren auf den Sparanteil bis zu 4 Prozent pro Jahr — dauerhaft, unabhängig vom Marktzins. Einen solchen risikofreien Zins gibt es heute nicht mehr. Diese Altverträge sind deshalb oft deutlich mehr wert, als der reine Rückkaufswert vermuten lässt, und sollten meist behalten werden.
Kündigen, beitragsfrei stellen oder verkaufen?+
Das hängt vom Vertrag ab. Bei hohem Garantiezins lohnt meist das Behalten. Brauchst du das Geld nicht sofort, kannst du den Vertrag auch beitragsfrei stellen — er läuft dann ohne weitere Einzahlungen weiter. Statt zu kündigen (niedriger Rückkaufswert) kann sich ein Verkauf auf dem Zweitmarkt lohnen, der oft etwas mehr bringt. Vor jeder Entscheidung den Garantiezins prüfen.
Wie werden Auszahlungen versteuert?+
Bei Verträgen mit Abschluss vor 2005 sind die Erträge nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit in der Regel steuerfrei. Bei Verträgen ab 2005 gilt die 12/62-Regel: Wird die Police mindestens zwölf Jahre gehalten und erst ab 62 ausgezahlt, ist nur die Hälfte des Ertrags mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Sonst fällt Abgeltungssteuer an.
Rente, betriebliche Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit und Absicherung — Bianca zeigt, was sich wann wirklich lohnt.
Profil & Redaktion ›Unabhängig recherchiert. Verantwortlicher Herausgeber: Dr. Gamal Moukabary. Manche Empfehlungen sind Partnerangebote (auch aus der MyWage-Gruppe) und werden gekennzeichnet. Inhalte dienen der Information und sind keine Anlage- oder Steuerberatung. Stand 28. Juli 2026.