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Faktencheck

Biotech- & Branchenfonds 2026: Lohnt die Wette auf die nächste Rakete?

Paul WeberPaul WeberGeldanlage & Kapitalmarkt Aktualisiert am 31. Juli 2026 ca. 4 Min.
Redaktionell geprüft Verantwortlich: Dr. Gamal Moukabary Quellen & Methodik
Das Wichtigste in Kürze

Biotech- und Branchenfonds konzentrieren dein Geld auf eine einzige Branche — im Fall von Biotech auf eines der volatilsten Segmente überhaupt. Die Schlagzeile „700 Prozent in 20 Jahren“ wirkt beeindruckend, entspricht aber nur rund 10,8 Prozent Rendite pro Jahr; ein breit gestreuter Welt-ETF erreichte über lange Zeiträume Ähnliches bei deutlich geringerem Risiko. Der Haken: Vergangene Rendite ist keine Garantie, Biotech schwankt extrem (Kurseinbrüche von 40 bis 60 Prozent sind normal), und aktive Branchenfonds kosten oft 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr — ein Vielfaches eines Index-ETFs. Hinzu kommt die Erkenntnis der Bessembinder-Studie, dass fast der gesamte Netto-Gewinn des Aktienmarktes von sehr wenigen Titeln stammt, die eine konzentrierte Wette leicht verpasst. Für den Kern eines Vermögens ist ein solcher Fonds daher ungeeignet. Als kleine, bewusst riskante Beimischung von wenigen Prozent kann er für interessierte Anleger vertretbar sein — mehr aber nicht.

„700 Prozent in 20 Jahren! Der Fonds, den Profis lieben.” Solche Schlagzeilen funktionieren, weil sie ein Versprechen und eine große Zahl kombinieren. Bevor du darauf reagierst, lohnt der nüchterne Blick: Was steckt wirklich dahinter — und was verschweigt die Überschrift?

Die große Zahl, klein gerechnet

700 Prozent Zuwachs bedeuten: Aus 10.000 € wurden 80.000 €. Über 20 Jahre entspricht das einer jährlichen Rendite von rund 10,8 Prozent. Beeindruckend? Ein breit gestreuter Welt-ETF (etwa auf den MSCI World oder FTSE All-World) lag über lange 20-Jahres-Zeiträume in einer ähnlichen Größenordnung — ohne das Risiko, alles auf eine einzige Branche zu setzen.

Biotech schwankt — und zwar heftig

Biotechnologie ist eines der volatilsten Segmente der Börse. Eine einzige Nachricht — eine Zulassung, ein gescheiterter Studienabschluss — kann einen Kurs verdoppeln oder halbieren. Auf große Aufwärtsphasen folgten in der Vergangenheit regelmäßig Einbrüche von 40 bis 60 Prozent (etwa 2015/2016 und 2021/2022). Wer zum falschen Zeitpunkt einsteigt, sitzt unter Umständen jahrelang im Minus.

Das ist der Preis, den die 700-Prozent-Schlagzeile ausblendet: Der Weg dorthin verlief nicht in einer ruhigen Linie, sondern über nervenaufreibende Ausschläge, die viele Anleger vorzeitig aussteigen lassen — meist zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Die Kosten fressen die Rendite

Aktiv gemanagte Branchenfonds sind teuer. Laufende Kosten von 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr sind keine Seltenheit — gegenüber grob 0,2 Prozent bei einem breiten Index-ETF. Was ein Prozentpunkt über Jahrzehnte ausmacht, ist gewaltig: Er wirkt wie ein Zinseszins in die falsche Richtung. Das Effektivkosten-Röntgen zeigt, dass daraus über 20 bis 30 Jahre schnell ein sechsstelliger Renditeverlust wird.

Hinzu kommt: Aktive Fonds schlagen ihren Vergleichsindex langfristig selten. Du zahlst also viel für ein Versprechen, das sich statistisch meist nicht erfüllt.

Warum die Streuung gewinnt

Der entscheidende Punkt ist mathematisch. Die vielbeachtete Bessembinder-Studie hat gezeigt: Der gesamte Netto-Vermögenszuwachs des Aktienmarktes stammt über 100 Jahre von nur rund 3,6 Prozent aller Aktien. Der große Rest glich sich in etwa aus oder kostete Geld.

Für eine konzentrierte Branchenwette heißt das: Die Wahrscheinlichkeit, genau die wenigen extremen Gewinner zu treffen, ist klein — die Wahrscheinlichkeit, sie zu verpassen, groß. Wer den ganzen Markt über einen breiten Index hält, besitzt die künftigen Gewinner dagegen automatisch. Wie stark eine einzelne Branche dein Depot unbemerkt dominieren kann, prüfst du mit dem ETF-Portfolio-Röntgen.

Wann eine kleine Beimischung okay ist

Nichts davon heißt, dass Biotech verboten ist. Wer die Branche spannend findet und die Risiken versteht, kann eine kleine Satelliten-Position von wenigen Prozent wagen — bewusst als Wette, deren Totalausfall das Gesamtvermögen nicht gefährdet. Zwei Regeln dabei:

  • Deckeln. Lege vorher eine Obergrenze fest (z. B. 5 Prozent) und stocke nicht nach jedem guten Lauf weiter auf.
  • Günstig umsetzen. Falls überhaupt, eher ein breiter Branchen-ETF als ein teurer aktiver Fonds.

Das Fundament bleibt ein breit gestreutes Weltportfolio. Einzelbranchen sind Beiwerk — nie das Fundament.

Unser Urteil

Die Schlagzeile „700 Prozent in 20 Jahren” ist Marketing, kein Qualitätsbeweis. Rückgerechnet sind es rund 10,8 Prozent pro Jahr — nicht verlässlich mehr als ein breiter Welt-ETF, aber mit einem Vielfachen an Schwankung, hohen Kosten und dem Risiko, die wenigen echten Gewinner zu verpassen. Für den Kern deines Vermögens ist ein Biotech- oder Branchenfonds ungeeignet. Als kleine, bewusst riskante Beimischung kann er für interessierte Anleger vertretbar sein — mehr aber nicht. Renditeversprechen, die auf einer einzelnen großen Zahl beruhen, solltest du grundsätzlich mit Vorsicht lesen.

In Kürze

  • 700 % / 20 Jahre = rund 10,8 % pro Jahr — vergleichbar mit einem breiten Welt-ETF, aber deutlich riskanter.
  • Biotech schwankt extrem: Einbrüche von 40–60 % sind normal.
  • Aktive Branchenfonds sind teuer (oft 1,5–2 % p. a.) und schlagen ihren Index langfristig selten.
  • Streuung schlägt Wette: Der Großteil aller Kursgewinne stammt von wenigen Titeln (Bessembinder) — die trifft man am sichersten über den ganzen Markt.
  • Wenn überhaupt: kleine, gedeckelte Satelliten-Position über einen günstigen ETF, nie als Fundament.

Dieser Beitrag ordnet eine Anlageform ein und ist keine Anlageberatung. Genannt werden bewusst keine einzelnen Fonds oder Aktien. Renditen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Hinweis auf die Zukunft.

Unsere Einschätzung

„700 Prozent in 20 Jahren“ ist eine Werbeschlagzeile, kein Qualitätsbeweis. Rückgerechnet sind das rund 10,8 Prozent pro Jahr — ein breit gestreuter Welt-ETF lieferte über lange Zeiträume ähnliches, ohne die extremen Ausschläge eines einzelnen Sektors. Biotech ist eines der schwankungsreichsten Börsensegmente: Auf Kursverdopplungen folgen regelmäßig Einbrüche von 40 bis 60 Prozent. Dazu kommen die hohen Kosten aktiver Branchenfonds, die über Jahrzehnte einen großen Teil der Rendite auffressen. Und die Bessembinder-Forschung zeigt: Der Löwenanteil aller Kursgewinne stammt von einer Handvoll Titel, die eine konzentrierte Sektorwette leicht verpasst. Als Kern des Depots taugt so ein Fonds nicht. Wer die Story spannend findet, kann eine kleine Beimischung von wenigen Prozent wagen — bewusst als Wette, nicht als Fundament.

Häufige Fragen

Sind Biotech-Fonds eine gute Geldanlage?+

Als Kern eines Depots nein, als kleine Beimischung höchstens für interessierte Anleger. Biotech ist extrem schwankungsanfällig — der Erfolg einzelner Wirkstoffe entscheidet über Kursverdopplungen oder Totalabstürze. Über lange Zeiträume war die Rendite zwar zeitweise hoch, aber nicht verlässlich höher als bei einem breiten Welt-ETF, dafür mit viel größeren Rückschlägen. Für planbaren Vermögensaufbau ist breite Streuung die bessere Grundlage.

Was bedeutet „700 Prozent in 20 Jahren“ wirklich?+

700 Prozent Gesamtzuwachs über 20 Jahre entsprechen einer jährlichen Rendite von rund 10,8 Prozent. Das klingt nur deshalb spektakulär, weil die Gesamtzahl groß wirkt. Ein breit gestreuter Aktien-ETF lag über vergleichbare 20-Jahres-Zeiträume in einer ähnlichen Größenordnung — ohne das Klumpenrisiko einer einzelnen Branche. Die Schlagzeile ist also eher Marketing als ein Beleg für Überlegenheit.

Aktiver Biotech-Fonds oder Branchen-ETF?+

Falls überhaupt Biotech, dann eher ein günstiger Branchen-ETF als ein teurer aktiver Fonds. Aktive Branchenfonds verlangen oft 1,5 bis 2 Prozent laufende Kosten pro Jahr, ein Index-ETF auf den Sektor deutlich weniger. Über Jahrzehnte macht dieser Kostenunterschied einen großen Teil der Rendite aus — und ein aktiver Fonds schlägt seinen Index langfristig selten. Wie stark Kosten wirken, zeigt das Effektivkosten-Röntgen.

Wie viel Biotech gehört ins Depot?+

Wenn überhaupt, nur ein kleiner Satellit von wenigen Prozent — bewusst als Wette, deren Totalausfall du verkraften könntest. Das Fundament bildet ein breit gestreutes Weltportfolio; Einzelbranchen sind Beiwerk. Wichtig ist, die Position zu deckeln und sie nicht nach einem guten Lauf immer weiter aufzustocken, sonst wächst das Klumpenrisiko unbemerkt.

Paul Weber
Über den Autor
Paul Weber
Geldanlage & Kapitalmarkt · umsgeld

Aktien, ETFs, Börse und Portfolio-Strategien — Paul mit dem Blick auf Kosten, Streuung und langfristige Rendite.

Profil & Redaktion ›

Unabhängig recherchiert. Verantwortlicher Herausgeber: Dr. Gamal Moukabary. Manche Empfehlungen sind Partnerangebote (auch aus der MyWage-Gruppe) und werden gekennzeichnet. Inhalte dienen der Information und sind keine Anlage- oder Steuerberatung. Stand 31. Juli 2026.